Lice Adorni

Vor ein paar Wochen habe ich Lice Adorni kennengelernt. Eine sehr inspirierende und schöne Frau. Sie gehört mit über 80 Jahren zu meinen ältesten Kundinnen. Ich durfte sie und ihren Mann Enrico in ihren Ateliers bei den Museggmauern in Luzern besuchen und portraitieren.

In der Werkstatt von Enrico entstehen keramische Arbeiten. Lice konzentriert sich seit neun Jahren vor allem auf grosse Bildteppiche. Sie webst am einfachen Hochwebrahmen. Ich bin beeindruckt und sehe gleich eine Parallele zu meiner Arbeit. Sie webt unter anderem mit natürlich gefärbter Wolle.

War für dich immer klar, dass du Künstlerin werden möchtest?

In meiner Primarschulzeit war das Zeichnen und das Malen eine Kraftquelle für mich, ein Trost, wenn in der Schule etwas schief gelaufen war. Eine liebe Tante hat mir manchmal farbigen Plastilin geschenkt. Diese Geschenke gehörten zu den grossen Glücksmomenten der Kindheit. Später habe ich Bauzeichnerin gelernt. 22-jährig bin ich für zwei Jahre nach Rom und habe in einem Architekturbüro gearbeitet. Die Arbeitszeiten beim Architekten waren ziemlich chaotisch, so dass mir Zeit blieb ab und zu bei einem Töpfer zu arbeiten. Die Liebe zum plastischen Gestalten überwog alles andere. Zurück in Zug mietete ich ein Atelier, für 50 Jahre blieb Keramik mein beglückender Beruf. 

Wie bist du zum Weben gekommen?

Auf einer Reise in Arizona sah ich Nahavo Frauen beim Weben von Teppichen. Ich war fasziniert. Zu Hause habe ich nach Webanleitungen gesucht und autodidaktisch die nötigen Techniken gelernt. Nach dem ich mich viele Jahre vorwiegend mit plastischen Formen auseinandergesetzt habe, faszinierte mich das Gestalten mit Farben und arbeiten mit Flächen.

Was inspiriert dich?

Lesen, ganz besonders einzelne Gedichtszeilen, mache Gespräche und Spaziergänge, manchmal auch Teile einer Musik.

Zeichnest du das Bild vor dem Weben oder hast du ein Bild im Kopf?

Die Bilder fliegen mir zu. Entwerfen tue ich nicht. Ausser wenn ich auf Bestellung arbeite. Das Werk habe ich skizzenartig im Kopf und im Gefühl.

Oft sind Tiere in deinen Bildteppichen zu sehen. Werden sie symbolisch eingesetzt?

Ja, Tiere versinnbildlichen Eigenschaften wie besondere Stärke, Aufmerksamkeit, Seh- und Hörschärfe und haben auch mythologische Bedeutungen.

Lice webt unter anderem mit natürlich gefärbter Wolle.

In welchem Bereich lebst du nachhaltig?

Die intensive Beschäftigung mit Tonerde und Wolle führt zum sorgfältigem Umgang mit Materie und der Zukunft unserer Erde. Es ist mir sehr wichtig schon beim Einkaufen zu achten woher die Lebensmittel kommen, wie und wo sie verarbeitet wurden, und möglichst wenig Abfall zu produzieren.

Was ist dir wichtig in Bezug auf Kleidung?

Zu Kleidern habe ich eine besondere Liebesbeziehung. Ich trage sie ja direkt auf dem Körper. Sie müssen mich sanft umhüllen und in Form, Farben und Material zu meiner jeweiligen Stimmung passen. Ganz besonders wichtig ist mir auch woher die Stoffe stammen und wo und wie sie verarbeitet wurden, dass weder die Erde noch Menschen darunter leiden mussten. Meine Kleider trage ich viele Jahre, ich besitze Kleider die ich schon über 20 Jahre immer wieder anziehe. Kürzlich konnte ich die interessante, sorgfältige junge Designerin Livia Naef kennenlernen. Es beglückt mich zu erleben wie umwelt -und menschenbewusst sie die Stoffe aussucht, wie Livia die Stoffe zu Kleidern verarbeitet, die man viele Jahre tragen kann. Ihre Kleider sind von einer ganz besonderen schlichten Eleganz und fühlen sich auf dem Körper wunderbar an, sie engen nirgends ein und liebkosen die Haut.

Lice trägt das Cordkleid olive // zum Shop

Danke liebe Lice für den Einblick in dein Atelier auf der Musegg.

https://handwerkaufmusegg.art/

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